Tritt ein und lass dich verzaubern
Hier dreht sich alles um die phantastische Welt der Märchen und davon bekommst du jede Menge geboten. Über 4000 klassische und sehr viele brandneue Märchen warten auf dich.
Der eiserne Mann
Es war ein König, der hielt eine große Jagd; und auf der Jagd fingen seine Schützen einen Mann, der war gestaltet wie andre Leute, doch war er ganz von Eisen. Über das Wunder freute sich der König, und er ließ einen Platz vor seinem Schlosse mit einem hohen, eisernen Gitter umhegen und den Mann hineinsetzen und gebot seinen Leuten bei Lebensstrafe ihn nicht heraus zu lassen. Nicht lange, so geschah es daß eines Morgens der junge Königssohn auf dem Hofe Ball spielte. Da trat der eiserne Mann ans Gitter und spielte mit einem Balle, der sprang, wenn man ihn auf die Erde warf, weit höher als der des Königssohnes und war auch weit schöner anzusehen; denn er war ganz golden. Da bat der Kleine gar freundlich um den Ball, und der eiserne Mann winkte ihm ans Gitter und sprach heimlich »Schließ die Thür auf, so schenk ich dir den Ball.« Und der Knabe schlich leise zur Thür und machte sie auf. Da sprang der eiserne Mann heraus, gab ihm den goldnen Ball und lief quer über das Feld in den Wald. Wie der König erfuhr daß der eiserne Mann entsprungen war, that er einen großen Schwur, wer das Gitter aufgemacht habe, der solle sterben. Da kam sein liebes Söhnlein und bekannte demüthiglich daß es den eisernen Mann herausgelassen habe, und der König erschrak daß er seinem Sohne den Tod geschworen hatte, doch sein Wort mußte er halten. Er sandte zwei Jäger mit dem Sohne in den Wald, und die sollten ihm das Leben nehmen. Die Jäger aber erbarmte der schöne Knabe: sie ließen ihn frei im Walde und hießen ihn in Gottes Namen laufen so weit der Himmel blau sei; und sie schossen ein wildes Schwein, schnitten ihm beide Augen und das Herz aus und brachten sie dem Könige und sagten, dies seien die Augen und das Herz seines Sohnes. Der Knabe irrte den ganzen Tag in dem weiten Walde umher; und als der Abend kam, setzte er sich weinend auf einen Baumstumpf und klagte daß ihn nun, wenn er in der Nacht schliefe, die wilden Thiere auffressen würden. Da stand plötzlich der eiserne Mann vor ihm, strich ihm das Haar freundlich mit seiner eisernen Hand und sprach »Sei getrost, mein Bub; du hast mir geholfen, so will ich dir auch helfen. Den Thieren in meinem Walde will ich befehlen daß sie dir kein Leid thun; morgen früh aber will ich dich aus dem Walde vor das Schloß eines mächtigen Königs führen, und vor dem Fenster der Königstochter sollst du mit dem goldnen Balle spielen und sollst noch einst ein größerer König werden als dein Vater ist.« Da legte sich der Knabe getrost aufs grüne Moos und schlief sanft ein; und die goldnen Sternlein gingen leise über den Himmel um ihn nicht aufzuwecken: als aber die liebe Sonne kam und ihn anlachte, sprang er auf, und der eiserne Mann war auch schon da, und sie gingen durch den Wald; und als sie ins Freie kamen, stand ein prachtvolles Schloß vor