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Märchenbasar

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Die verstoßene Prinzessin

Zur Tangzeit lebte ein Mann namens Liu I, der war in seiner Doktorprüfung durchgefallen. So reiste er wieder nach Hause zurück. sechs, sieben Meilen, hatte er hinter sich, da flog im Feld ein Vogel auf. Sein Pferd war scheu und rannte über zehn Meilen weit, ehe es sich halten ließ. Da sah er eine Frau, die hütete Schafe am Abhang eines Berges. Er blickte sie an; sie war wunderschön von Angesicht, doch drückten ihre Mienen geheimen Kummer aus. Verwundert fragte er sie, was ihr fehle. Die Frau begann zu schluchzen und erzählte: „Das Glück hat mich verlassen; ich kam in Not und Schande. Da Ihr die Freundlichkeit habt, mich zu fragen, will ich Euch alles offen sagen. Ich bin die jüngste Tochter des Drachenkönigs vom Ging Dschou. Mein Gatte aber war leichtsinnig und hielts mit einer ränkevollen Magd. So hat er mich verstoßen. Ich klagte meine Not den Schwiegereltern, die aber hatten eine blinde Liebe für den Sohn und taten nichts. Als ich sie dringender noch bat, da wurden beide böse, und ich ward hier herausgeschickt und muß die Schafe hüten.“ Als sie ausgeredet hatte, brach sie vor Schmerz in lautes Weinen aus und konnte sich gar nicht mehr fassen. Dann fuhr sie fort: „Der Dungting – See ist so weit von hier, doch habe ich erfahren, daß Ihr auf Eurer Heimreise dort vorbeikommt. Ich möchte Euch einen Brief an meinen Vater mitgeben; ich weiß nicht, ob es angeht?“ Liu I erwiderte: „Eure Worte haben mich im tiefsten Herzen gerührt. Ich wollte, ich hätte Flügel und könnte mit Euch von dannen fliegen. Den Brief an euren Vater will ich gerne überbringen. Doch der Dungting -See. ist groß und weit, wie kann ich ihn da finden?“ „Am südlichen Ufer des Sees steht ein Orangenbaum“, erwiderte die Frau, „die Leute nennen ihn Opferbaum. Wenn Ihr dorthin kommt, müßt Ihr Euren Gürtel lösen und dreimal ihn gegen den Orangenbaum schwingen, so wird jemand erscheinen, dem mögt Ihr folgen. Wenn Ihr meinen Vater seht, so erzählt ihm, in welcher Not Ihr mich getroffen, und daß ich seine Hilfe heiß ersehne.“ Dann holte sie aus ihrem Busen einen Brief und gab ihn Liu I. Sie verneigte sich vor ihm und blickte seufzend nach Osten. Auch Liu I rollten unversehens die Tränen herab. Er nahm den Brief und steckte ihn in seinen Beutel. Dann fragte er: „Ich verstehe nicht, warum Ihr Schafe hüten müßt. Schlachten die Götter denn auch Tiere?“ „Das sind keine gewöhnlichen Schafe“, sagte die Frau; „es sind Regenknechte.“ „Was sind Regenknechte?“ „Es sind die Donnerböcke“, sprach die Frau. Und als er näher zusah, da sah er, daß die Tiere stolz und wild einherschritten, ganz anders als gewöhnliche Schafe. Liu I fügte dann noch hinzu: „Wenn ich den Brief für Euch nun überbringe und Ihr künftig wohlbehalten zum Dungting – See zurückkehrt, müßt Ihr mich aber nicht wie einen Fremden behandeln.“ Die Frau erwiderte: „Wie sollte ich Euch fremd behandeln! Ihr sollt mit der liebste Freund sein!“ Nach diesen Worten schieden sie. Nach einem

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