Tritt ein und lass dich verzaubern
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Das Säckchen füll dich
Es diente ein Soldat in St. Petersburg zwölf Jahre. Dann wurde er zum Unteroffizier befördert und auf Urlaub entlassen. Der Zar aber hatte eine Tochter, die immerzu fortlief, und man wußte nicht wohin. Soviel der Zar sich auch Mühe gab, es zu erfahren, es nutzte nichts. Zauberer rief er zu sich, aber es kam nichts dabei heraus. Als der Unteroffizier entlassen war, ging er in seine Heimat und blieb dort, solange er durfte, dann wurde es Zeit zurückzukehren. Und wie er so dahinwanderte, kam er an einen Sumpf, um den mußte er herum. »Vielleicht geht’s auch mitten durch!« dachte er bei sich. Er ging also über den Sumpf und sah, wie drei Waldmänner sich prügelten. Er sagte zu ihnen: »Gott helf euch bei der Prügelei! Um was geht es denn?« – »Ach, Soldat, entscheide du, wir warten schon lange auf dich! Drei Dinge haben wir gefunden: Siebenmeilenstiefel, eine Tarnkappe und ein Säckchenfülldich. Wir wissen aber nicht, wie wir teilen sollen.« Der Soldat antwortete: »Nun gut, ich will aus meiner Kronsflinte einen Schuß abgeben, wer dann die Kugel im Sumpf am schnellsten findet, der soll zwei Dinge kriegen.« Er legte an und schoß. Die Waldmänner stürzten der Kugel nach, der Soldat aber zog die Stiefel an, setzte die Tarnkappe auf und sagte: »Säckchen, komm mit mir!« Und er ging fort, während die Waldmänner die Kugel suchten, und wanderte nach Petersburg. Er marschierte einher und dachte bei sich: »Jetzt will ich der Zarentochter nachspüren.« Er ging zum Hauptmann, aber der jagte ihn fort: »Was fällt dir ein!« sagte er, »willst du in den sicheren Tod?« Er ging zum Bataillonsführer, aber auch der jagte ihn fort. Dann kam er zum Oberst, und der erstattete dem Zaren Bericht. Der Zar ließ den Soldaten rufen: »Kannst du’s?« – »Zu Befehl, Eure Majestät!« – »Na, dann geb ich dir drei Tage Frist! Sauf derweil!« Der Soldat ging auf den Marktplatz, lumpte herum und kehrte nüchtern zum Zaren zurück. »Hast du genug gelumpt?« – »Zu Befehl, Eure Majestät!« – »Bist du auch nicht besoffen?« – »Im Dienst, Eure Majestät?« – »Schon gut.« Und er gab ihm ein Zimmer neben seiner Tochter. Durch die kristallene Tür war alles zu sehen, auch ihr Bett. Der Soldat bekam Tee und Schnaps, und Bedienung gab man ihm auch. Als aber die Zarentochter abends an seinem Zimmer vorbeiging, befahl sie: »Gebt dem Soldaten zwölf Flaschen vom besten Schnaps!« Sie brachten ihm den Schnaps, aber er trank nicht soviel, wieviel er ins Säckchen goß. Dann warf er sich hin, stellte sich betrunken und kroch auf allen vieren. Man brachte ihn zu Bett. Mit einem Auge schaute er durch die Tür. Dann kam die Zarentochter zu ihm, rührte ihn an, aber er schnaufte wie ein Betrunkener. Da ging sie in ihr Zimmer und schellte. Ein Diener erschien. »Bring mir zwölf Paar Schuhe!« Die zwölf Paar Schuhe wurden gebracht: ein Paar zog sie an, die übrigen band sie in ein Tuch, nahm sie unter den Arm, öffnete darauf eine Falltür unter dem Bett und verschwand.