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Der Kantelespieler
Es war einmal ein Bursch, der hatte kein Schätzchen. Da kam Weihnacht. Die andern Burschen gingen alle zum Fest, aber er blieb zu Hause und saß allein. Da dachte er: ‚Was kann ich jetzt wohl machen?‘ Er kaufte sich eine Kerze und nahm die Kantele zur Hand, ging in die Badestube, steckte sich die Kerze an und stellte sie auf den Ofen. Dann fing er an zu spielen. Wie er eine Weile gespielt hatte, kam ein Mädchen zu ihm in die Badestube und begann zu tanzen. Dann kam sie auf den Burschen zu und gab ihm einen Kuß. Erst um Mitternacht verschwand sie. Den nächsten Abend ging der Bursche wieder in die Badestube und spielte dort. Das Mädchen kam wieder und tanzte und gab dem Burschen einen Kuß. Am dritten Abend lud der Bursche seine alte Pate ein. Und die Pate belehrte ihn: »Häng dir ein Kreuz um den Hals, über den Rock. Wenn das Mädchen wiederkommt und dir einen Kuß gibt, nimm das Kreuz ab und häng es ihr um den Hals.« Als nun das Mädchen kam, um ihn zu küssen, hängte er ihr das Kreuz um den Hals. Da murmelte sie etwas zum Fenster hinaus, und andere Mädchen gaben Antwort, aber der Bursche erschrak und fiel bewußtlos hin. Als er am Morgen aufwachte, sah er, daß das Mädchen bei ihm saß. Er ging nach Hause und das Mädchen hinter ihm her. Er redete sie an, aber sie konnte nicht sprechen. Da ließen sie den Pfarrer kommen, und der Pfarrer las ihr Gottes Wort vor. Da begann das Mädchen zu erzählen, woher sie komme, daß sie aus dem Schlosse und die Tochter des Grafen sei. Und sie bat den Burschen: »Geh mit mir zu meinem Vater!« Dann machten sie sich zusammen auf mit einem Pferd und einem schlechten Wagen. Sie kamen jedoch nicht bis zum Schloß, der Wagen zerbrach, und das Pferd wurde müde. Da setzten sie ihren Weg zu Fuß fort, bis sie schließlich beim Schloß anlangten. Aber hier wurden sie nicht eingelassen. Da fragten sie: »Hat nicht der Graf ein hübsches kleines Kind?« – »Ja, das hat er«, antwortete man ihnen. »Nun, des Kindes wegen kommen wir her.« Da ließ man sie vor. Der Graf fragte: »Was wißt ihr denn von dem Kinde?« Und sie sagten: »Wir wissen nicht mehr, als daß es 21 Jahre alt ist, und es wächst nicht und stirbt nicht. Es ist aber gar nicht Euer Kind, denn ich bin Eure Tochter.« – »Du unser Kind?« sprach der Graf. »Wie kannst du denn unser Kind sein?« – »Seht«, sagte das Mädchen, »eine Hexe hat mich entführt und Euch dies Kind statt meiner in die Wiege gelegt. Ich bin jetzt 21 Jahre bei ihr.« Und das Mädchen fragte den Grafen: »Hattet Ihr nicht zu der Zeit einen Ball?« – »Ja, das hatte ich.« – »Wurde Euch damals nicht ein silberner Löffel gestohlen?« – »Ja«, sagte der Graf, »den stahlen sie.« – »Und was habt Ihr damals mit der Haushälterin gemacht?« – »Wir haben sie