Tritt ein und lass dich verzaubern
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Fischlein kleb an!
Es waren einmal drei Knaben, denen war ihre Mutter gestorben, und an ihrer Stelle hatte ihnen der Vater eine recht herbe Stiefmutter in die Hütte gebracht. Sie mochten tun und treiben, was sie wollten, nie war es recht. Anstatt des Morgensegens bekamen sie Scheltworte und anstatt des Brotes erhielten sie Schläge und nachts konnten sie froh sein, wenn sie vor Hunger die müden Augen schließen konnten. Da dachten sich die Knaben wohl oft: »Wenn die rechte Mutter noch lebte!« Allein keiner wagte es zu sagen; nur der jüngste, Hans, ließ hin und wieder einen solchen Gedanken halblaut werden. Aber gerade deshalb konnte ihn die neue Mutter nicht leiden und ausstehen und bekamen die übrigen zwei an Festtagen zwei Kuchen, so bekam er einen; und schnitt den andern die Mutter alle heiligen Zeiten einmal ein freundliches Gesicht, so sah er immer nur ein finsteres und saures. Hans mußte die schwersten Arbeiten tun und konnte er sie nicht vollbringen, so wurde er verlacht, gescholten und geschlagen. Einmal, es war gerade Frühling und die Veilchen guckten hervor und die Vögel sangen, gab ihm die böse Stiefmutter eine Reiter (grobes Sieb) und sagte: »Geh zum Brunnen und hol mir darin Wasser!« Hans blickte bald das Geflecht, bald die barsche Machthaberin an und die schwarzen Augen gingen ihm über; denn er sah die Unmöglichkeit des Befehles und kannte seine Mutter. »Willst du gehen oder nicht?« barschte sie den Zögernden an, daß der arme Knabe zusammenfuhr wie das zitternde Espenlaub, »oder soll ich den Hund dir nachhetzen?« Weinend und trostlos schwankte Hans mit seinem durchsichtigen Gefäße hin zum Nußbaume, in dessen Schatten der Brunnen rauschte. Hoffnungslos hob er die Reiter hinauf und ließ den Wasserstrahl hineinplätschern; dieser brach sich aber an den Stäbchen und sprang und sickerte durch – und heftiger weinte Hans, daß es ihm fast das Herz abstieß. Obwohl er keine Hoffnung auf ein gutes Ende hatte, stund er doch, um dem Gewitter, das seiner zu Hause wartete, solange als möglich zu entgehen: aber das Wasser sprang und sickerte durch und nicht ein Tröpflein blieb an einem Stabe hängen. Wie der Arme so dastund, kam plötzlich an einer Krücke gebückt ein Mütterchen daher, das er noch nie gesehen hatte und das ihm fast unheimlich vorkam. Das Angesicht war runzelig wie ein Apfel im Mai, die pechschwarzen Augen guckten unstet und durchbohrend hin und wieder und ihre Nase zog sich hackenähnlich über den zahnlosen Mund herunter. »Was machst du da, Hans?« sprach sie mit kreischender Stimme. Hans erbebte, als er seinen Namen von der nie Gesehenen nennen hörte. »Brauchst dich nicht zu fürchten. Ich mein’s gut mit dir. Was machst du?« frug sie im vertraulichen Tone. Hans faßte sich ein Herz und sagte, er müsse hier in der Reiter Wasser holen, das Wasser laufe aber immer davon und ohne Wasser dürfe er der Stiefmutter nicht unter die Augen kommen. Hier brach er ab; das Weinen erstickte seine Stimme; Tränen rollten über die blassen, eingefallenen Wangen des Knaben und netzten das zerlumpte Lodenwams. »Laß das Weinen!«