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Märchenbasar

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Von Feledico und Epomata

Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten keine Kinder, und hätten doch so gerne einen Sohn oder eine Tochter gehabt. Eines Tages, als sie am Balkon standen, ging eben ein Wahrsager vorbei. Da rief ihn der König herauf, daß er der Königin wahrsage, ob ihr Wunsch sich erfüllen werde. Der Wahrsager schaute die Königin lange an, und dabei machte er ein so trauriges Gesicht, daß ihn der König erschrocken fragte: »Nun? Was seht ihr?« »Königliche Majestät!« antwortete der Wahrsager, »lasset mich ziehen, denn ich kann es euch nicht sagen, was geschehen wird.« Der König aber befahl ihm, sogleich zu sprechen, sonst werde er ihm den Kopf abhauen lassen, und so mußte denn der Wahrsager endlich antworten: »Die Königin wird einen Sohn bekommen, wenn er aber achtzehn Jahre alt ist, muß der Jüngling sterben.« Als der König und die Königin das hörten, wurden sie tief betrübt, und sprachen: »Was hilft es uns, einen Sohn zu haben, wenn wir ihn bloß aufziehen müssen, um ihn nach achtzehn Jahren zu verlieren!« »Wenn ihr meinen Rath annehmen wollt,« sagte der Wahrsager, »so laßt einen festen Thurm bauen, und schließt euer Kind mit der Amme darin ein, bis es achtzehn Jahre alt ist, denn sobald die Stunde vergangen ist, in der es achtzehn Jahre alt wird, so hat das Schicksal keine Macht mehr über dasselbe.« Nach diesen Worten verließ der Wahrsager den Palast. Nach einigen Monaten aber wurde die Königin guter Hoffnung. Da ließ der König sogleich einen festen Thurm bauen, und bestellte eine Hofdame, die sollte an dem Königssohn Mutterstelle vertreten. Als nun ihre Stunde kam, gebar die Königin einen wunderschönen Sohn, den nannte sie Feledico. Der König aber schickte das Kind mit der Hofdame und der Amme in den Thurm, und sperrte sie dort ein. Jeden Morgen mußte die Hofdame ins Schloß kommen, und berichten, wie es dem Kinde gehe, und jeden Abend spät, wenn der Königssohn schlief, kamen der König und die Königin in den Thurm, und besuchten ihr liebes Kind. So vergingen viele Jahre, und der Knabe wuchs an einem Tage für zwei, und wurde täglich schöner und stärker. Er meinte aber, die Hofdame wäre seine Mutter, und kannte Niemanden als sie und die Amme. Nun begab es sich eines Morgens, als er noch fest schlief, daß die Hofdame wieder wie gewöhnlich zur Königin ging. Auf einmal rief eine Stimme: »Feledico! Feledico!« Und als der Knabe erwachte, fuhr die Stimme fort: »Feledico, was bleibst du immer hier im Thurm eingesperrt? Die Frau, die du Mutter nennst, ist gar nicht deine Mutter, sondern deine Eltern sind ein mächtiger König und eine schöne Königin, die wohnen in einem herrlichen Schloß und genießen ihr Leben; du aber bist immer hier so ganz allein eingesperrt.« Es war aber das Schicksal des Knaben, das so sprach. Als nun Feledico diese Worte hörte, fing er an zu weinen, und die Hofdame, die eben nach Hause kam, hörte es, und lief voll Schrecken zu ihm und sprach: »Mein Sohn, mein lieber Sohn, was weinst du

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