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Märchenbasar

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Sie taugte nichts

Der Stadtvogt stand am offenen Fenster. Er hatte ein Oberhemd an und eine Brustnadel in der Hemdkrause stecken und war außerordentlich gut rasiert, das hatte er eigenhändig getan und sich dabei nur einen kleinen Schnitt zugezogen, doch über diesen hatte er ein Stückchen Zeitungspapier geklebt. „Hörst Du, Kleiner“ rief er. Der Kleine war aber niemand Anderes als der Sohn der Waschfrau, der eben vorbeiging und ehrerbietig seine Mütze zog. Der Schirm war geknickt und auch sonst war sie nach und nach so eingerichtet worden, dass man sie in die Tasche stecken konnte. In seinen ärmlichen aber sauberen und durchaus ordentlich geflickten Kleidern und den schweren Holzschuhen stand der Knabe ehrerbietig da, als ob er vor dem Könige selber stehe. „Du bist ein guter Junge“ sagte der Stadtvogt, „Du bist ein höflicher Junge Deine Mutter spült wohl Wäsche unten am Fluss. Dahin sollst Du wohl auch mit dem, was Du in der Tasche hast. Das ist eine schlimme Sache mit Deiner Mutter. Wie viel hast Du da?“ „Ein halb Nößel,“ sagte der Knabe mit erschreckter, halbleiser Stimme. „Und heute morgen bekam sie ebensoviel,“ fuhr der Mann fort. „Nein, gestern war es“ antwortete der Knabe. „Zwei halbe geben ein ganzes. – Sie taugt nichts. Es ist traurig mit dieser Volksklasse. – Sag Deiner Mutter, sie sollte sich schämen. Und werde nicht auch zum Trunkenbold, aber das wirst Du ja doch. – Armes Kind. – Geh nun.“ Und der Knabe ging; die Mütze behielt er in der Hand und der Wind blies durch sein blondes Haar, sodass es sich in langen Strähnen aufrichtete. Er ging um die Straßenecke in das Gässchen zum Flusse hinab, wo die Mutter draußen im Wasser neben der Waschbank stand und mit dem Wäscheklöpfel auf das schwere Leinen schlug. Es war starke Strömung im Flusse, denn die Schleusen der Wassermühle waren geöffnet. Die Laken wurden vom Strome fortgetrieben und rissen fast die Waschbank mit sich; die Waschfrau musste sich kräftig dagegenstemmen. „Ich bin nahe daran, fortzuschwimmen.“ sagte sie, „es ist gut, dass Du kommst, denn eine Hülfe tut den Kräften schon Not! Es ist kalt hier draußen im Wasser; sechs Stunden habe ich schon hier gestanden. Hast Du etwas für mich?“ Der Knabe zog die Flasche hervor und die Mutter setzte sie an den Mund und trank einen Schluck. „Ach, das tut gut. Wie das wärmt. Das ist ebenso gut wie warmes Essen, und es ist nicht so teuer. Trink, mein Junge. Du siehst so blas aus, Du frierst in den dünnen Kleidern; es ist ja auch Herbst. Hu, Das Wasser ist kalt. Wenn ich nur nicht krank werde. Aber das tue ich nicht. Gib mir noch einen Tropfen und trinke auch, aber nur einen kleinen Tropfen, Du darfst Dich nicht daran gewöhnen, mein liebes armes Kind.“ Sie ging um die Brücke, auf der der Knabe stand, und trat aufs Land. Das Wasser triefte aus der Schilfmatte, die sie um den Leib gebunden trug und es triefte auch aus ihrem Hemde. „Ich quäle und placke mich ab, dass mir

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